US-Bundesstaaten verklagen Meta: Wegweisender Prozess zum Jugendschutz auf Social Media

Meta Gericht

In Kalifornien läuft derzeit ein Zivilprozess, der das Design von Social-Media-Plattformen grundlegend verändern könnte. 29 US-Bundesstaaten haben gemeinsam Klage gegen den Meta-Konzern eingereicht, zu dem Instagram und Facebook gehören. Im Zentrum steht diesmal nicht schädlicher Content wie Desinformation oder Hassrede, sondern die Plattform-Architektur selbst.

Worum es geht

Die klagenden Bundesstaaten werfen Meta vor, gezielt Mechanismen eingesetzt zu haben, die auf die Funktionsweise jugendlicher Gehirne zugeschnitten sind, wohlwissend um deren Suchtpotenzial. Als Beispiele werden unter anderem genannt:

  • Nächtliche Benachrichtigungen, die Minderjährige erreichen, weil Altersprüfungen leicht zu umgehen sind
  • Endloses Scrollen ohne natürlichen Abschluss des Feeds
  • Sichtbare Like-Zahlen, die als Gradmesser für Beliebtheit wirken und eine starke Sogwirkung entfalten können

Diese Gestaltungselemente sind nicht Meta-exklusiv, sondern in der gesamten Branche verbreitet. Ein Urteil in diesem Verfahren könnte deshalb weit über Meta hinaus Signalwirkung für andere Plattformen entfalten.

Teil einer grösseren Klagewelle

Der Prozess in Oakland ist bei Weitem nicht das einzige Verfahren gegen Meta. Parallel dazu klagen Eltern, Schulen und Jugendliche selbst, die den Konzern für Depressionen, Angststörungen und Suchtverhalten verantwortlich machen. Beobachterinnen und Beobachter sprechen bereits von einem "Big Tobacco Moment" – in Anlehnung an die gesellschaftliche Aufarbeitung der Gesundheitsschäden durch Tabakkonsum in den 1990er-Jahren.

Erst im August 2026 wurde Meta in New Mexico zu einer Strafe von umgerechnet rund 487 Millionen Euro verurteilt und muss seither strengere Auflagen zum Schutz Minderjähriger einhalten, etwa bei Nutzungszeiten und Push-Benachrichtigungen. Grundlage vieler dieser Verfahren sind die Enthüllungen der früheren Facebook-Produktmanagerin Frances Haugen, die 2021 interne Dokumente an Behörden und Medien weitergab.

Was auf dem Spiel steht

Die Klägerinnen und Kläger in Kalifornien fordern nicht nur eine Strafzahlung in Höhe von rund 173 Milliarden Euro, sondern auch, dass Meta Algorithmen und KI-Modelle löschen muss, die auf Daten von Minderjährigen basieren – sowie tiefgreifende Änderungen am Plattform-Design selbst. Ein Urteil wird für Anfang Oktober 2026 erwartet, nachdem Ende September auch Meta-Chef Mark Zuckerberg selbst aussagen soll.

Quelle: taz.de